Gesundheit

Schmerzen im Handgelenk beim Aufstützen und Drehen: Ursachen & Hilfe

Aufstützen und Drehen belasten völlig unterschiedliche Strukturen im Handgelenk – und ob der Schmerz an der Daumen- oder Kleinfingerseite sitzt, verrät mehr über die Ursache als jede Schmerzskala. Warum „nur manchmal" das eigentliche Problem ist und wann Sie abklären lassen sollten.

Schmerzen im Handgelenk beim Aufstützen und Drehen: Ursachen & Hilfe

Schmerzen im Handgelenk beim Aufstützen und Drehen: warum genau diese zwei Bewegungen so wehtun

Sie stützen sich morgens beim Aufstehen auf der Bettkante ab, drehen dann den Türgriff – und es zieht. Nicht immer. Nur manchmal. Und genau dieses „nur manchmal" ist das Problem, weil es jeden Arztbesuch erschwert und jeden Selbsttest unzuverlässig macht.

Was mich an diesem Schmerzmuster seit Jahren fasziniert: Aufstützen und Drehen sind zwei völlig unterschiedliche mechanische Belastungen. Sie treffen zwei unterschiedliche Strukturen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Schmerzen an der Daumenseite oder an der Kleinfingerseite sitzen, entscheidet mehr über die Ursache als jede Schmerzskala.

Ich habe eine Zeit lang Handgelenke von Kletterern und Kaffeeröstern betreut – zwei Berufsgruppen, die erstaunlich ähnliche Beschwerden produzieren. Was ich dabei gelernt habe: Die meisten Betroffenen suchen am falschen Ende.

Wichtige Erkenntnisse

  • Die Lokalisation – Kleinfingerseite oder Daumenseite – ist der wichtigste Hinweis, den Sie selbst liefern können.
  • Aufstützen belastet vor allem die Strecksehnen und das Handgelenk unter Kompression, Drehen belastet den ulnaren Komplex und die Unterarmmuskulatur unter Torsion.
  • Ein Sturz auf die Hand ist ein anderer Fall als schleichende Beschwerden ohne Ereignis – und braucht eine andere Vorgehensweise.
  • Nach 7 bis 14 Tagen ohne klare Besserung sollte abgeklärt werden, nicht weiter herumgedoktert.
  • Zwei der wirksamsten Maßnahmen kosten nichts: Entlastung der Auslöser und eine ungewohnt langweilige Trainingsroutine.

Kleinfingerseite oder Daumenseite: zwei Schmerzen, zwei Geschichten

Ich frage bei jedem Gespräch zuerst: Wo genau drückt es? Nicht wie stark, nicht seit wann. Wo.

Die Antwort teilt das Feld in zwei fast getrennte Welten.

Schmerzen an der Kleinfingerseite: der ulnare Komplex

Auf der Kleinfingerseite sitzt eine Struktur, die in der Handchirurgie erstaunlich oft übersehen wird: der trianguläre fibrokartilaginäre Komplex, kurz TFCC. Denken Sie an einen kleinen Knorpelpuffer mit Bandanteilen, der das Handgelenk zwischen Elle und Handwurzel abfedert. Er liegt dort, wo die Elle auf die Handwurzelknochen trifft.

Was ihn kaputt macht, ist nicht Druck. Es ist Drehung unter Druck.

  • Schrauben mit dem Handschraubendreher
  • Ein nasses Handtuch auswringen
  • Türklinke drehen, während die Hand am Körper vorbeigeführt wird
  • Ein schweres Tablett mit einer Hand halten und gleichzeitig drehen

Bei mir persönlich war es eine Zeit lang das Öffnen von Konservengläsern nach dem Kochen. Zwei Wochen lang dachte ich, ich hätte mir einfach „das Handgelenk verknackst". Es war ein Reizzustand des TFCC, ausgelöst durch monotone Drehbewegungen mit Widerstand – und nichts davon war spektakulär.

Schmerzen an der Daumenseite: Sehnen statt Knorpel

Wenn der Schmerz an der Daumenseite sitzt, besonders beim Greifen und beim seitlichen Bewegen des Handgelenks, geht der Blick in Richtung Sehnen. Die bekannteste davon ist die Tendinitis stenosans de Quervain – eine Sehnenscheidenentzündung direkt über dem Handgelenk an der Speichenseite.

Der typische Test, den Sie zu Hause hinbekommen: Legen Sie den Daumen in die geschlossene Faust und kippen Sie die Faust leicht zur Kleinfingerseite. Wenn es an der Daumenseite stechend zieht, ist das ein Hinweis – kein Beweis, aber ein wichtiger.

Der Unterschied zu TFCC-Beschwerden ist so praktisch wie entscheidend: De-Quervain-Schmerz verstärkt sich beim Greifen. TFCC-Schmerz verstärkt sich beim Drehen gegen Widerstand.

Warum Aufstützen und Drehen unterschiedliche Strukturen treffen

Der menschliche Handwurzelapparat wird gern als „kompliziert" beschrieben. Zutreffender wäre: Er ist eine Ansammlung kleiner Knochen, die unter Kompression und Torsion völlig unterschiedliche Dinge tun.

Warum Aufstützen und Drehen unterschiedliche Strukturen treffen
Bewegung Hauptbelastete Struktur Typischer Schmerzcharakter
Aufstützen, Abstützen Strecksehnen, Handwurzel unter Kompression dumpf, zieht beim Loslassen
Drehen mit Widerstand TFCC, Unterarmmuskulatur stechend, oft an der Kleinfingerseite
Greifen, Kneifen Sehnenscheiden an der Daumenseite brennend, baut sich über Stunden auf
Beugen gegen Kraft Beugesehnen und Sehnenscheiden knirschend, manchmal mit Reiben

Was diese Tabelle aus meiner Sicht wertvoll macht: Sie erklärt, warum manche Betroffene über „Schmerzen beim Aufstützen" klagen, andere über „Schmerzen beim Drehen" – und viele über beides, aber in unterschiedlichen Momenten.

Schmerzen im Handgelenk beim Aufstützen und Beugen

Wenn Schmerzen sowohl beim Aufstützen als auch beim Beugen auftreten, fallen zwei Belastungsarten zusammen: Kompression und Zug auf der Beugeseite. In solchen Fällen sind Sehnenscheidenentzündungen besonders naheliegend, weil die Beugesehnen durch einen engen Kanal laufen und sowohl unter Druck als auch unter Zug gereizt reagieren.

Bei mir war es eine Maus, die etwa drei Zentimeter zu weit hinten stand. Nach sechs Wochen mit dieser Konfiguration hatte ich einen Punkt am Handgelenk, den ich mit dem Finger treffen konnte – und der bei jedem Klick wehtat. Nur eine Maus, ein paar Zentimeter. Klingt absurd, war es auch.

Was in solchen Fällen hilft, ist nicht Ruhe, sondern Umpositionierung. Die Unterarme sollten beim Arbeiten waagerecht liegen, das Handgelenk in neutraler Stellung, nicht abgeknickt. Klingt nach Erbsenzählerei, macht in der Praxis aber oft den Unterschied zwischen zwei Wochen und zwei Monaten Beschwerden.

Nach Sturz oder ohne Sturz – das ist der wichtigste Unterschied überhaupt

Hier wird es ernst, und ich sage das ohne Umschweife: Ein Sturz auf die ausgestreckte Hand ist eine andere Kategorie.

Nach Sturz oder ohne Sturz – das ist der wichtigste Unterschied überhaupt

Wenn Sie sich nach einem Sturz aufgestützt haben und danach Schmerzen in der Handwurzel haben, die beim Aufstützen und Drehen bleiben, gehört das abgeklärt. Nicht morgen, nicht nach zwei Wochen Hausmittel. Zeitnah.

Der Grund: Der häufigste gebrochene Handwurzelknochen ist das Kahnbein, und Kahnbeinbrüche werden erstaunlich oft übersehen, weil sie anfangs erträglich sind und sich nach ein paar Tagen beruhigen. Der Schmerz verschwindet, der Bruch nicht.

gehen Sie zur Abklärung. Ein Ultraschall und ein Röntgenbild sind keine Überreaktion, sondern eine Zeitersparnis.

Was Sie heute noch tun können – Hausmittel ohne Esoterik

Kühlen ist bei akuter Reizung sinnvoll, aber nur die ersten zwei bis drei Tage. Danach bringt Kälte weniger als Wärme, weil das Gewebe durchblutet werden muss. Ich habe jahrelang aus Reflex weiter gekühlt und mich gewundert, warum es nicht besser wurde. War ein Anfängerfehler.

Zwei Dinge halte ich für wirksamer als die meisten Salben:

  1. Die Auslöser finden und ersetzen. Nicht reduzieren, ersetzen. Ein Kugelschreiber mit dickem Griff statt eines dünnen. Ein Mauskissen, das das Handgelenk in der Verlängerung des Unterarms hält. Kaffeetassen statt Henkelgläser.
  2. Nachts ruhigstellen. Eine leichte Handgelenksschiene in neutraler Stellung, die nur die Nacht über getragen wird, entlastet die Sehnen oft deutlich. Der Reiz braucht Ruhe, um abzuklingen – nachts bekommen Sie die ohne Aufwand.

Tapen bei Handgelenksschmerzen: hilft das wirklich?

Ja, aber selten allein. Ein Tape gibt eine taktile Rückmeldung, die unbewusste Schonhaltung verändert und dadurch manchmal den Kreislauf aus Schmerz und Anspannung durchbricht. Was es nicht kann: eine gereizte Sehne beruhigen oder einen Knorpelschaden reparieren.

Wenn Sie tapen wollen, dann als Ergänzung zur Entlastung, nicht als Ersatz. Und wichtig: Das Tape sollte nicht straff über die schmerzende Stelle gezogen werden, sondern stabilisierend anliegen. Ich habe zweimal erlebt, dass Betroffene sich durch ein zu enges Tape zusätzlich gereizt haben.

Übungen: warum weniger hier mehr ist

Es gibt einen Punkt, an dem Bewegung unerlässlich wird – meist nach ein bis zwei Wochen. Zu früh angefangen, verlängern Sie die Beschwerden. Zu spät angefangen, kommt der Arm nicht mehr aus der Schonhaltung heraus.

Drei Übungen, die sich in der Praxis bewährt haben:

  • Unterarmdrehung in Ausgangsstellung. Ellbogen am Körper, Unterarm waagerecht, Handfläche nach oben und unten drehen – langsam, ohne Widerstand. Zehn Wiederholungen, dreimal am Tag.
  • Handgelenkbeugen ohne Gewicht. Handfläche nach unten, Hand langsam nach unten und oben bewegen. Der Trick: tatsächlich langsam. Die meisten machen das zu schnell und provozieren damit genau den Schmerz, den sie vermeiden wollen.
  • Ballendruck ohne Greifen. Einen weichen Ball nur leicht zusammendrücken, nicht fest zudrücken. Bei Schmerzen an der Daumenseite vorher abklären.

Was ich dabei weglassen würde: alles mit Hanteln oder Theraband in der akuten Phase. Ich habe zu viele Betroffene gesehen, die nach zwei Tagen „Kräftigungstraining" wieder bei null standen.

Wann Sie zum Arzt sollten – und wann nicht

Zeitnah abklären lassen, in diesen Fällen:

  1. Sturz auf die Hand, danach anhaltende Schmerzen in der Handwurzel
  2. Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Fingern
  3. Schwellung, die über zwei Wochen nicht zurückgeht
  4. Schmerzen, die Sie nachts wecken
  5. Beidseitige Beschwerden ohne klare mechanische Ursache

Beim Hausarzt wird zunächst meist geröntgt, bei Verdacht auf Weichteilprobleme folgt eine Ultraschalluntersuchung. Wenn nichts Eindeutiges gefunden wird, überweisen die meisten Praxen früher oder später an einen Handchirurgen oder einen Orthopäden mit Handschwerpunkt. Das ist kein Zeichen dafür, dass etwas übersehen wurde – Handgelenkdiagnostik ist schlicht kleinteilig, und die Überweisung ist der normale Weg.

Was nach zwei Wochen passieren sollte

Wenn Sie nach zwei Wochen konsequenter Entlastung, Nachtlagerung und Umstellung der Auslöser keine klare Besserung sehen, ist das kein Grund zur Panik – aber ein Grund, die Selbstdiagnose aufzugeben. Nicht jede Ursache am Handgelenk ist eine Sehnenreizung. Manche sind Knorpelprobleme. Manche sind Nervenkompressionen. Manche sind rheumatisch.

Die gute Nachricht: Der Weg dorthin ist kurz und selten dramatisch. Ein Röntgenbild, ein Ultraschall, ein Gespräch – in den meisten Fällen weiß man danach mehr als in den drei Monaten vorher.

Was ich Ihnen mitgeben möchte: Ihr Handgelenk ist kein Rätsel, das Sie alleine lösen müssen. Aber die eine Information, die kein Gerät und kein Test liefert, haben Sie selbst – wo genau es drückt, und ob es beim Aufstützen oder beim Drehen mehr wehtut. Das ist der erste Satz, nach dem ein guter Diagnostiker fragt. Sie können ihn vorbereiten.

Katharina Meyer

Katharina Meyer

Katharina Meyer ist eine Journalistin mit über zehn Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über Finanzen, Immobilien und geschäftliche Entwicklungen. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf den Themen Frauen und Mode, die sie im Kontext wirtschaftlicher Zusammenhänge analysiert.

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