Wann wurde das Telefon erfunden? Die faszinierende Geschichte des ersten Anrufs

Wer hat wirklich das Telefon erfunden? Nicht Bell – sondern ein Frankfurter Lehrer namens Johann Philipp Reis, schon 1861. Warum die Welt trotzdem Bell feiert, hat mit Geld, Patenten und einer amerikanischen Erzählmaschine zu tun.

Wann wurde das Telefon erfunden? Die faszinierende Geschichte des ersten Anrufs

Wer hat das Telefon erfunden? Wenn Sie diese Frage googeln, bekommen Sie eine klare Antwort: Alexander Graham Bell, 1876, mit den berühmten Worten „Watson, come here". Aber die Wahrheit ist, wie so oft, komplizierter. Und sie führt uns ausgerechnet nach Deutschland – zu einem Lehrer, den die meisten kaum kennen.

Bevor wir in die Details eintauchen: Die kurze Antwort auf „Wann wurde das Telefon erfunden?" lautet 1861. In diesem Jahr zeigte der Physiklehrer Johann Philipp Reis in Frankfurt am Main einen Apparat, der Töne elektrisch übertragen konnte. Er nannte ihn „Telephon" – und genau so heißt das Gerät bis heute auf der ganzen Welt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Johann Philipp Reis präsentierte das erste funktionierende Telefon bereits 1861 in Frankfurt – 15 Jahre vor Bell.
  • Alexander Graham Bell erhielt am 7. März 1876 das US-Patent für sein Telefon und führte den ersten verständlichen Telefonanruf durch.
  • Reis' Apparat übertrug Töne und Melodien, aber Sprache nur undeutlich – das war seine Schwachstelle.
  • Die ersten Haushalte in Deutschland wurden ab November 1877 angeschlossen, als Siemens & Halske täglich 200 Telefone produzierte.
  • Die erste Vermittlungsstelle Deutschlands nahm am 12. November 1877 in Friedrichsberg bei Berlin ihren Betrieb auf.

Warum nennen wir dann Bell den Erfinder?

Das ist die eigentliche Frage. Und die Antwort hat weniger mit Technik zu tun als mit Geld, Patenten und der amerikanischen Erzählmaschine.

Die Geschichte, die jedes Schulbuch kennt, geht so: Bell, ein schottisch-amerikanischer Sprachlehrer, experimentierte mit Telegrafie, als ihm am 10. März 1876 der Durchbruch gelang. Sein Assistent Thomas Watson hörte durch die Leitung den Satz, der Geschichte schreiben sollte: „Mr. Watson, come here – I want to see you." Das erste Telefongespräch der Welt, ein Hilferuf wegen verschütteter Säure.

Klingt gut, oder? Eine saubere Heldengeschichte. Das Problem: Sie ist nur die halbe Wahrheit.

Der deutsche Vorläufer: Johann Philipp Reis

Fünfzehn Jahre vor Bell stand Johann Philipp Reis auf einem Podium in Frankfurt und führte seinen Apparat vor. Der Physiklehrer hatte eine dünne Membran aus Schweinsblase entwickelt, die Schallwellen in elektrische Impulse umwandelte. Auf der anderen Seite der Leitung war ein Strickzeug-Ungetüm zu hören – aber es funktionierte. Reis übertrug Melodien, Pfeiftöne und sogar einzelne Wörter.

Ich habe mir vor Jahren die Rekonstruktion eines Originalapparats in einem Museum angesehen. Ehrlich gesagt: Das Ding sieht aus wie ein Bastelprojekt aus einer Holzwerkstatt. Ein Würfel aus Eichenholz, eine Stricknadel als Kontakt, eine Violine als Resonanzkörper. Aber es war die Geburtsstunde einer Technologie, die die Welt verändern sollte.

Warum hat Reis dann nicht den Ruhm bekommen? Drei Gründe:

  • Die Sprachqualität war schlecht. Töne kamen klar durch, aber gesprochene Wörter nur bruchstückhaft. Reis selbst war unsicher, ob sein Gerät für Sprache taugte.
  • Er dachte nicht an Kommerz. Reis sah seine Erfindung als wissenschaftliches Kuriosum, nicht als Produkt. Geld, Patent, Vermarktung – alles fehlte.
  • Er starb jung. Mit 39 Jahren, 1874, erlag er einer Lungenerkrankung. Zwei Jahre vor Bells großer Stunde.

Und dann kam Bell. Der war nicht nur Erfinder, sondern auch Geschäftsmann. Sein Patent vom 7. März 1876 war rechtlich angreifbar – es beschrieb ein Gerät für „Telegrafie mit elektrischen Strömen". Aber Bell hatte das Geld und die Anwälte, um es durchzusetzen. Genau das ist der Punkt: Das Telefon wurde nicht nur erfunden, es wurde auch gewonnen – vor Gericht.

Wer hat das Telefon erfunden – die volle Wahrheit

Die Wikipedia fasst es nüchtern zusammen: „An der Entwicklung eines ersten Telefonapparates waren mehrere Personen beteiligt." Das ist die diplomatische Version. Die ungeschönte Version: Es war ein Wettrennen mit mehreren Läufern, und derjenige mit dem besten Sprint am Ziel – sprich: dem stärksten Patent – gewann.

Da wäre zunächst Innocenzo Manzetti, ein italienischer Erfinder, der bereits 1844 die Idee eines elektrischen Telegrafen postulierte und 1864/65 tatsächlich einen Apparat baute. Er wird in den Geschichtsbüchern gerne übersehen – dabei war seine Konstruktion der von Reis nicht unähnlich.

Und dann gibt es noch die Geschichte von Antonio Meucci, einem italienisch-amerikanischen Einwanderer, der schon in den 1850er-Jahren an einem eigenen Telefon arbeitete. Er meldete 1871 ein „Caveat" an – eine Art vorläufige Patentschutzerklärung –, konnte sich die Verlängerung aber nicht leisten. Als Bell sein Patent bekam, verklagte Meucci ihn. Bis zu seinem Tod 1889 kämpfte er um Anerkennung. Der US-Kongress räumte schließlich 2002 ein, dass Meuccis Beitrag zur Erfindung des Telefons unterschätzt wurde.

Was ich daran so spannend finde: Die Technik war reif. In den 1860er-Jahren gab es auf mehreren Kontinenten parallel funktionierende Apparate. Der Elektromagnetismus war seit Ørsted (1820) und Faraday (1831) bekannt. Es brauchte nur jemanden, der die Einzelteile richtig zusammensetzte – und dann die Nerven hatte, seine Erfindung zu verteidigen.

Wann kam das Telefon in die Haushalte?

Die technische Erfindung ist eine Sache. Das Telefon als Massenprodukt eine ganz andere. Und hier wird die Geschichte deutsch.

Wann kam das Telefon in die Haushalte?

Ab November 1877 produzierte Siemens & Halske täglich 200 Telefone, und ein Großteil davon wurde bald an Privathaushalte verkauft. Das Tempo ist bemerkenswert: Gerade mal ein Jahr nach Bells Patent war die Serienfertigung in Berlin angelaufen. Die Firma, die heute als Siemens bekannt ist, hatte das Potenzial sofort erkannt.

Interessant ist auch das Datum 12. November 1877: An diesem Tag wurde in Friedrichsberg bei Berlin ein Telegrafenamt in Betrieb genommen – die erste Vermittlungsstelle Deutschlands. Das war der Moment, in dem das Telefon aufhörte, ein Spielzeug für Technikfreaks zu sein, und begann, ein Kommunikationsnetzwerk zu werden.

Kurz gesagt: In Deutschland kam das Telefon bereits 1877 in die Haushalte – nur ein Jahr nach der amerikanischen Erfindung, die man ja gerne als den eigentlichen Startpunkt nennt.

Die ersten Telefongespräche: wer rief wen an?

Die erste verständliche Telefonverbindung der Welt fand 1876 zwischen Bell und seinem Assistenten Watson statt. Die Worte „Watson, come here" sind legendär – und das aus gutem Grund. Es war das erste Mal, dass ein kompletter Satz durch eine elektrische Leitung übertragen wurde, klar und verständlich.

Was viele nicht wissen: Bell hatte sein Patent erst drei Tage vorher, am 7. März 1876, erhalten. Die Entwicklung ging also rasend schnell. Vom Patent zum ersten Gespräch – das war ein Sprint, kein Marathon.

In Deutschland dauerte es etwas länger, bis die ersten Worte durchs Kabel gingen. Aber auch hier war die Aufregung groß. Zeitungen berichteten von Vorführungen, bei denen Musik übertragen wurde – und das Publikum staunte über die „sprechende Leitung".

Wie sah das erste Telefon aus?

Wenn Sie sich das erste Telefon von Reis vorstellen wollen, denken Sie an einen Würfel aus Eichenholz, etwa so groß wie eine Streichholzschachtel-Box. Oben drauf ein Schalltrichter, seitlich eine Kurbel, und in der Mitte eine Stricknadel, die als elektrischer Kontakt diente.

Bell-Apparat, das erste Telefon von Bell, sah anders aus: ein hölzerner Ständer mit einer Membran und einem Trichter, der gleichzeitig als Lautsprecher und Mikrofon diente. Man musste sprechen und hören abwechselnd – in den Trichter hineinrufen, dann ans Ohr halten, dann wieder hineinrufen. Umständlich, aber es funktionierte.

Was mich bei der ganzen Geschichte am meisten fasziniert: Die ersten Telefone waren Einweg-Kommunikation. Es gab kein „Hallo, wer ist da?" – man musste erst sprechen, dann umschalten und zuhören. Das echte Duplex-Verfahren, bei dem man gleichzeitig sprechen und hören kann, kam erst später.

Wie funktionierte das erste Telefon technisch?

Das Prinzip ist verblüffend einfach – und genial. Schallwellen treffen auf eine Membran, die Membran drückt auf einen Kontakt, der Kontakt verändert den elektrischen Widerstand. Dadurch entsteht ein schwankender Strom, der durch die Leitung fließt. Am anderen Ende sitzt ein Elektromagnet, der die Schwankungen zurück in mechanische Bewegung verwandelt – und die Membran des Empfängers in Schwingung versetzt.

Bei Reis war der Kontakt die Stricknadel, die auf einer kleinen Metallfläche auf- und abhüpfte. Das Problem: Die Nadel hatte nur zwei Zustände – an oder aus. Dadurch gingen die feinen Nuancen der Sprache verloren, und nur die Grundfrequenzen kamen durch. Bell verbesserte das mit einem kontinuierlich variablen Widerstand, der die feinen Unterschiede in der Lautstärke und Tonhöhe übertragen konnte. Das war der technische Durchbruch.

Wann wurde zum ersten Mal telefoniert?

Die überlieferte Antwort lautet: am 10. März 1876, zwischen Bell und Watson. Das war der erste verständliche Anruf. Aber es gab vorher schon Übertragungen von Tönen und einzelnen Wörtern – nur eben keine kompletten Sätze.

Reis zum Beispiel soll schon 1861 Sätze wie „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat" übertragen haben – eine Zungenbrecher-Übung, die in der Physik bis heute Standard ist. Die Überlieferung ist nicht ganz sicher, aber die Anekdote zeigt, dass Reis zumindest einzelne Wörter übertragen konnte.

Ehrlich gesagt: Die genaue Antwort auf „Wann wurde zum ersten Mal telefoniert?" hängt davon ab, wen Sie fragen. Die Amerikaner sagen 1876. Die Deutschen sagen 1861. Und die Italiener würden wahrscheinlich sagen: „Meucci hatte das schon vorher."

Was ich Ihnen mitgeben möchte: Die Geschichte der Erfindung ist nie so klar, wie die Schulbücher behaupten.

Wie lange gibt es das Telefon schon?

Das Telefon, wie wir es kennen – mit elektrischer Übertragung von Sprache –, gibt es seit 1861. Das sind mittlerweile über 165 Jahre. Wenn man die Vorläufer von Manzetti (1844) mitzählt, sind es sogar fast 180 Jahre.

Was mich bei solchen Jubiläen immer wieder überrascht: Wie schnell aus einer technischen Kuriosität ein Alltagsgegenstand wurde. In nur 16 Jahren – von 1861 bis 1877 – ging das Telefon vom Labor-Prototyp zur Massenproduktion. Heute erscheint uns so ein Zeitraum unvorstellbar lang. Damals war das ein atemberaubendes Tempo.

Und wer hätte damals gedacht, dass aus diesem hölzernen Würfel einmal Geräte entstehen würden, mit denen man per Knopfdruck um die ganze Welt telefonieren kann – ohne Kabel?

Die Erfindung des Telefons für Kinder erklärt

Wenn ich meinen Kindern erklären soll, wer das Telefon erfunden hat, sage ich es so:

Die Erfindung des Telefons für Kinder erklärt

Stell dir vor, zwei Kinder sitzen in verschiedenen Zimmern und wollen miteinander reden. Sie nehmen zwei Becher, spannen eine Schnur dazwischen – und siehe da: Sie können sich hören. So ähnlich haben die Menschen früher gedacht, nur mit Strom statt mit Schnur.

Ein Lehrer namens Johann Philipp Reis hatte 1861 die Idee, Schall in Strom umzuwandeln und am anderen Ende wieder in Schall zurückzuverwandeln. Das war die Grundidee des Telefons. Ein paar Jahre später hat Alexander Graham Bell das Gerät so verbessert, dass man richtig gut verstehen konnte – und hat es als Erster patentieren lassen.

Die Kinderfrage, die ich am liebsten mag: „Warum heißt es Telefon?" Und die Antwort ist einfach: „Tele" heißt „fern" und „phon" heißt „Laut". Also: „Fern-Laut". Genau das ist es bis heute.

Fazit: Eine Erfindung mit vielen Vätern

Wenn Sie sich jetzt fragen: „Na gut, aber wer war es denn nun – Reis oder Bell?", dann kann ich Ihnen nur eine ehrliche Antwort geben: Beide. Und keiner von beiden allein.

Reis hatte die zündende Idee und den ersten funktionierenden Apparat. Aber er hatte nicht das richtige Material, nicht das richtige Patent – und vor allem nicht den richtlichen Durchsetzungswillen. Bell hatte das alles. Er hat die Technik so weit verbessert, dass sie markttauglich war, und er hat den juristischen Kampf gewonnen, der ihm die Anerkennung als „der Erfinder" sicherte. Das Telefon wurde in Frankfurt geboren, aber in Boston zum Laufen gebracht.

Und dann war da noch Meucci, der Italiener, der zuerst dran war, aber zu wenig Geld für die Patentverlängerung hatte. Seine Geschichte ist eine Mahnung daran, dass Erfindungen nicht nur technisches Können brauchen, sondern auch wirtschaftliches Denken.

Wenn ich diese Geschichte erzähle, denke ich oft an die vielen Erfinder, die es nie in die Geschichtsbücher geschafft haben. Diejenigen, die die Idee hatten, aber nicht das Glück, das Timing – oder die Anwälte. Vielleicht sollten wir das Telefon nicht einer einzigen Person zuschreiben, sondern einer ganzen Generation von Tüftlern, die alle davon träumten, die Welt ein bisschen näher zusammenzubringen.

Am Ende des Tages zählt nicht, wer das erste Telefon baute. Sondern dass jemand es getan hat – und dass wir alle davon profitieren, jeden einzelnen Tag, bei jedem einzelnen Anruf.

Christina Möller

Christina Möller

Christina Möller ist Journalistin und berichtet seit mehr als zehn Jahren über Finanzen, Immobilien sowie über die Schnittstellen von Mode und Wirtschaft. Ihre Arbeit umfasst unter anderem die Analyse von Kapitalanlagestrategien, die Berichterstattung über Immobilienmärkte und die Betrachtung von Geschäftsmodellen in der Modebranche. Zudem beschäftigt sie sich mit frauenspezifischen Finanzthemen und der wirtschaftlichen Entwicklung des Modehandels.

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